Die Kirchweih

Auch wenn die Kirchweih offiziell erst am Freitag beginnt, starten die Feierlichkeiten bereits am Abend des Donnerstags mit dem Bremser Fest, organisiert durch die ortsansässige Gruppe der Evangelischen Jugend. Bei dieser Gelegenheit kann man sich gut auf die folgenden Tage bei einem guten Schluck Bremser, auch Federweißer genannt, und Zwiebelkuchen einstimmen.

Während der Festtage haben die beiden ortsansässigen Wirtschaften durchgehend geöffnet.  Freitagabend treffen sich dann die Kirchweihburschen zum ersten Mal offiziell an der Kirchweih. Bei dem traditionellen Bratwurst mit Kraut essen stärken sie sich für die bevorstehende Fahrt in den Wald. Gerüstet mit einem Langholzwagen und ordentlich Backenschmalz gilt es nun, die „Kerwa-Fichte“ nach Hellmitzheim zu holen. Hierbei handelt es sich um eine circa 20 – 25 Meter hohe Fichte, die im heimischen Wald gewachsen ist und am Samstag in der Dorfmitte errichtet wird. Bevor die Burschen allerdings hinaus in den Wald fahren, wird jedes Jahr eine Dorfrunde gedreht. Hierbei fahren die Burschen auf einem Treckeranhänger alle Straßen des Dorfes ab und singen vorher einstudierte historische Kirchweihlieder. Diese bestehen jeweils aus einem Vier-Zeiler der auf circa zehn verschiedene Melodien gesungen werden kann. Nach jedem Lied wird „gekräht“. Das heißt: alle Burschen stoßen zeitgleich einen schrillen Schrei aus, der das Ende des Gesanges verkündet. Kommen die Burschen mit dem Baum nach Hellmitzheim zurück, wird dieser an einem geheimen Ort versteckt und bewacht, bis er am nächsten Tag aufgestellt wird.

Am Kerwa-Samstag, rechtzeitig vor dem „Zwei-Uhr-Läuten“, wird der Baum in einem feierlichen Zug durchs Dorf an den Platz vor das Wirtshaus gefahren. Und das geht heute genauso wie es schon zu Ur-Großvaters Zeiten gemacht wurde. Kurz vor dem Aufstellen wird die Krone des Baumes noch mit bunten Bändern geschmückt. Danach hiefen die Burschen ihren Kerwa-Baam nur mit Hilfe von langen Holzstangen, den so genannten Schwalben, Seilen und der eigenen Muskelkraft in Position. Das kann auch schon einmal eine halbe Stunde dauern. Der zentrale Standort in Hellmitzheim neben dem Wirtshaus und den Schaustellerbetrieben macht das Aufstellen zu einer ebenso spektakulären wie gefährlichen Aktion. Am Ende, der Baum steht gerade und ist am Fuß eingekeilt, füllen die Kerwa-Burschen ihren Maßkrug und stimmen gemeinsam auf die diesjährige Kirchweih ein:
„Die Kerwa is kumma, die Kerwa is dou. Die Alten die brumma, die Junga san froh!“ Im Laufe des Nachmittags stehen die Schausteller bereit, um Alt und Jung eine Freude zu bereiten. Am Abend spielt an einer jährlich wechselnden Location eine Liveband und sorgt für gute Stimmung.

Der Sonntag beginnt traditionell um 10 Uhr mit dem Festgottesdienst in der evangelischen Kirche in Hellmitzheim. Ab diesem Zeitpunkt sind die Burschen in ihrem traditionellen Gewand zu sehen. Dieses besteht aus einem rein weißen Hemd und einer blauen Jeans. Zusätzlich werden bunte „Bändli“ an der Hose angebracht. Burschen sichtet man auch nur noch mit ihrem traditionellen Steinkrug in der Hand.  Um 14 Uhr starten dann die Burschen mit ihrem Festumzug durch das Dorf. Hierbei werden auf fünf extra dafür gebastelten Aufbauten auf Treckeranhängern die witzigsten Sachen dargestellt, die seit der letzten Kirchweih in Hellmitzheim passiert sind. Auf dem letzten Wagen sitzt die Hellmitzheimer Kirchweihmusikanten, die die Burschen und ihre Gesänge musikalisch untermalen. Zusätzlich wird seit 1991 jedes Jahr eine eigens dafür erstellte Kirchweihzeitung verkauft, die zusätzlich zu den vier auf den Wagen gespielten Themen weitere Ereignisse zeigt und sich jedes Jahr mit einem mehr oder minderen weltpolitischen Thema auseinandersetzt. Am Kirchweihmontag spielt noch der Jugendposaunenchor ein Konzert vor dem Bürgerhaus. Im Bürgerhaus wird jährlich eine neue Bildershow präsentiert.

Am Montag klingt dann die Kirchweih aus. Die Gasthäuser laden noch einmal jeden auf Speis und Trank ein. Am Abend versammeln sich noch einmal alle Burschen in einer der beiden Wirtschaften und lassen die Kirchweih ausklingen.